Eine 65-jährige Deutsche aus Stralsund ist Opfer eines Trickbetrugs geworden, in den gleich mehrere Genrationen der Familie involviert war. Zunächst hatten es Betrüger nämlich auf ihre Mutter abgesehen und mit einem Schockanruf vorgegeben, die Enkelin habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht und müsste mit einer Kaution aus der Haft geholt werden. Die Frau wiederum verwies die Anrufer samt Angabe der Handynummer an ihre Tochter, der Mutter der angeblichen Unfallverursacherin. Die wurde auch erreicht und glaubte den Schwindel leider. Sie suchte mit ihrem Mann gleich zwei Filialen ihrer Bank auf – die erste konnte nicht die geforderten 35.000 Euro auf einmal auszahlen, die zweite dann schon.

Die Übergabe erfolgte auf Höhe des Amtsgerichts in Stralsund – wohlgemerkt nicht im Gebäude, da das Opfer dazu laut der Betrüger einen PCR-Test benötigt hätte.

Das Geld ist futsch, was bleibt ist die Beschreibung des Abholers: Er soll mit 1,60 – 1,65 Meter Größe klein gewesen sein mit auffallend großem Bauch, wenig dunkle Haare und Dreitagebart, etwa 35-40 Jahre alt, bekleidet mit grünem Pullover und beigefarbener Hose. Er könnte aus dem Süden oder Südosten Europas stammen.

Stutzig wurde die Geschädigte übrigens, weil ihre Tochter durch die Oma von dem mysteriösen Anruf erfahren hat und der Mutter mitteilte, dass es ihr gut gehe und sie kein Geld an jemanden aushändigen solle. Doch diese Nachricht kam leider zu spät.

Die Polizei bittet nun um Hinweise aus der Bevölkerung: Wer hat die Übergabe-Szene am Stralsunder Amtsgericht gestern gegen 14 Uhr gesehen oder den beschriebenen Geldabholer in dem Zeitraum im Bereich des Amtsgerichts gesehen oder kann sonstige Angaben zu dem Geldabholer machen?

Sachdienliche Hinweise bitte an die Einsatzleitstelle der Polizei unter 0395 / 55822224 oder an jede andere Polizeidienststelle.
Die Masche mit den angeblich von Angehörigen verursachten Unfällen und der verlangten Kaution gibt es momentan wieder häufiger. Im Stralsunder Raum wurde mehrere Versuche gemeldet.

Außerdem tauchen aktuell vermehrt Meldungen über WhatsApp-Betrüge auf. Ein Teil war nicht erfolgreich für die Betrüger, jedoch hat ein 68-jähriger Deutscher von der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst eine „Hallo Papa“-WhatsApp ernst genommen und geglaubt, sein Sohn habe tatsächlich Probleme mit seinem Handy und er müsse für ihn eine Überweisung vornehmen. Ob die etwa 3.000 Euro noch zurückgeholt werden können, muss die zuständige Bank prüfen.

Noch einmal die Warnung der Polizei: Es gibt in diesem Sinne keine Kaution in Deutschland, mit der Angehörige freigekauft werden können, wenn sie einer Straftat beschuldigt werden. Wer dennoch unsicher ist, ob den Angehörigen nicht doch etwas passiert ist, der sollte die echten Angehörigen selbst anrufen (auch selbst die Telefonnummer wählen).

In Bezug auf WhatsApp-Betrüge raten wir, skeptisch zu bleiben, wenn per Telefon oder per WhatsApp Geld gefordert wird, egal von wem. Noch dazu, wenn Kontaktdaten (Telefonnummer) und Kontodaten nicht zu den eigentlichen Angehörigen gehören. Die echten Angehörigen sollten auch in diesem Fall selbst angerufen (auch selbst die ursprüngliche Telefonnummer wählen!) und gefragt werden, ob diejenigen wirklich in Not sind und Geld brauchen.

Niemals sollte der Kontakt zu Angehörigen anderen überlassen werden.
Im Zweifel: Polizei anrufen unter 110

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.