Wintertief „Leonie“ legt Bahnverkehr in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin lahm

VonDaniel Siedenstrang

28. Januar 2026

VCD Nordost kritisiert systemisches Versagen von Bahn, ÖPNV und Politik

Das aktuelle Wintertief Leonie hat den Bahnverkehr und den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin weitgehend zum Erliegen gebracht. Massive Zugausfälle, eingestellte Verbindungen und fehlende Alternativen sorgen dafür, dass Fahrgäste teils stunden- oder tagelang im Ungewissen bleiben. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) Nordost spricht von einem erneuten systemischen Versagen der beteiligten Akteure.

Rostock und Stralsund erneut vom Bahnverkehr abgeschnitten

Besonders betroffen sind erneut die Städte Rostock und Stralsund. Bereits vor rund zwei Wochen war der Fernverkehr nach Mecklenburg-Vorpommern für drei Tage vollständig eingestellt worden. Nun wiederholt sich das Szenario:

Nach Eisregen und Glätte wurden große Teile des Bahnnetzes in Mecklenburg-Vorpommern sowie die Verbindungen von Rostock und Stralsund nach Berlin ausgesetzt. Sowohl Fern- als auch Regionalverkehr fallen wegen vereister Oberleitungen und eingefrorener Weichen aus.

Ein Schienenersatzverkehr steht vielerorts nicht oder nur stark eingeschränkt zur Verfügung – auch er scheitert an den winterlichen Straßenverhältnissen. Ganze Regionen sind damit faktisch vom Schienenverkehr abgehängt.

ÖPNV-Chaos auch in Berlin

Auch in Berlin zeigt sich die mangelnde Krisenfestigkeit des öffentlichen Verkehrs deutlich. Über einen Zeitraum von nahezu 48 Stunden verkehrte keine einzige Straßenbahn in der Hauptstadt. Ein flächendeckender Ersatzverkehr existierte nicht.

Zusätzlich kam es bei der U-Bahn zu stundenlangen Sperrungen auf mehreren oberirdischen Streckenabschnitten. Aus Sicht des VCD verstößt die BVG damit gegen ihre gesetzliche Betriebs- und Beförderungspflicht gemäß §§ 21 und 22 des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG), wonach in jedem Fall ein verlässliches Verkehrsangebot sicherzustellen ist.

Deutsche Bahn kündigt Rückkehr im Flickenteppich an

Zwar kündigt die Deutsche Bahn die schrittweise Wiederaufnahme einzelner Verbindungen an, rechnet aber weiterhin mit Verspätungen und Ausfällen. Für Fahrgäste in Mecklenburg-Vorpommern, Rostock, Stralsund und Berlin bedeutet das einen instabilen Notbetrieb ohne verlässliche Perspektive.

„Was wir derzeit erleben, ist kein außergewöhnliches Wetterereignis, sondern ein alltäglicher Belastungstest – und das System fällt erneut krachend durch“, sagt Heiner von Marschall, Landesvorsitzender des VCD Nordost.
„Wenn ganze Regionen tagelang vom Schienenverkehr abgeschnitten sind und in der Hauptstadt die Tram komplett eingestellt wird, ist das ein Offenbarungseid für die Krisenfestigkeit von Bahn und ÖPNV.“

Analyse des VCD Nordost: Strukturelle Schwächen im Winterbetrieb

Nach Einschätzung des VCD Nordost zeigen sich immer wieder dieselben Muster:

  • Winterliche Wetterlagen wie Eisregen führen im Nordosten regelmäßig zu großflächigen Betriebseinstellungen.
  • Stabile Alternativen fehlen, Regionen werden funktional vom Bahnverkehr getrennt.
  • Vereiste Oberleitungen, eingefrorene Weichen und fehlende betriebliche Puffer belegen, dass der Schienenverkehr selbst bei vorhersehbaren Witterungslagen nicht zuverlässig funktioniert.

Forderungen: Mehr Resilienz für Bahn und ÖPNV im Nordosten

Der VCD Nordost fordert konkrete Konsequenzen:

  • Stabiles Bau- und Störfallmanagement: Auch bei Bauarbeiten und absehbaren Wetterlagen darf es nicht zu flächendeckenden Zusammenbrüchen kommen.
  • Resiliente Infrastruktur: Mehr Redundanzen, höhere Netzknotendichte und echte Kapazitätspuffer zur Vermeidung von Kettenreaktionen.
  • Ausreichende Ressourcen im Krisenfall: Personal, Technik und Organisation müssen Enteisung, Ersatzverkehre und verlässliche Fahrgastinformation sicherstellen.
  • Politischer Wille zur Verlässlichkeit: Bahn und Verkehrsunternehmen müssen auch im Winter an klaren Zuverlässigkeits- und Verfügbarkeitsstandards gemessen werden.

Fazit: Vertrauensverlust gefährdet die Verkehrswende

Das aktuelle Chaos im Bahn- und ÖPNV-Verkehr in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ist keine Ausnahme, sondern Symptom eines strukturellen Problems. Verkehrsverantwortung endet nicht beim Bau von Infrastruktur, sondern beginnt beim verlässlichen Betrieb unter realen Bedingungen.

Die Geduld der Fahrgäste in Stralsund, Rostock, Berlin und im gesamten Nordosten ist weitgehend erschöpft. Eine erfolgreiche Verkehrswende wird nur gelingen, wenn Bahn und ÖPNV auch bei Winterwetter belastbar, planbar und verlässlich funktionieren.

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