Wie junge Menschen die Landwirtschaft von morgen gestalten

VonDaniel Siedenstrang

5. Mai 2026

Die Landwirtschaft in der Region Stralsund und Vorpommern-Rügen befindet sich im Wandel – und mittendrin eine junge Generation, die Verantwortung übernimmt, neue Wege geht und die Branche aktiv mitgestaltet. Das wurde bei einem Austausch zwischen Landwirt Carsten Thies-Mackeprang, Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow und engagierten Jugendlichen deutlich.

Zwischen Leidenschaft und Verantwortung

„Ackerbau ist unsere Leidenschaft“, sagt Thies-Mackeprang – und meint damit längst mehr als Tradition. Steigende Energiepreise, volatile Märkte und der Klimawandel erhöhen den Druck auf landwirtschaftliche Betriebe. Planungssicherheit wird zur Ausnahme. „Wir können oft nur noch von Woche zu Woche denken.“

Dennoch wird investiert: in moderne Technik, erneuerbare Energien wie Windkraft oder Biogasanlagen – und vor allem in Wissen. Denn Landwirtschaft ist heute Hightech.

Vom Bauchgefühl zur Datenbasis

Die Praxis hat sich stark verändert: Drohnen vermessen Felder, analysieren Pflanzenbestände und liefern präzise Daten. „Früher war vieles Bauchgefühl. Heute können wir genau sagen, wo, wann und wie viel gedüngt werden muss“, erklärt der Landwirt, der seit 1998 über 1.000 Hektar bewirtschaftet.

Auch Künstliche Intelligenz spielt eine zunehmende Rolle. Sie erkennt Krankheiten frühzeitig, optimiert Düngebedarfe und hilft, Ressourcen effizient einzusetzen. Saatgut kann heute zentimetergenau platziert werden – ein deutlicher Fortschritt gegenüber früheren Verfahren.

Junge Generation bringt neue Impulse

Besonders auffällig: das Engagement junger Menschen. Michel (21) steht vor seinem Agrarstudium und plant die Rückkehr auf den Hof. Auch Stine (19) verfolgt diesen Weg und bringt eigene Ideen ein: „Wir wollen gemeinsam etwas bewegen und zeigen, was auf dem Land möglich ist.“

Gleichzeitig wird deutlich, dass klassische Strukturen nicht immer greifen. Viele junge Menschen organisieren sich lose, ohne feste Vereinsstrukturen. Große Verbände wirken oft zu weit entfernt vom Alltag.

Neue Formen von Engagement

Daraus entstehen neue Initiativen: kleinere Gruppen, direkte Vernetzung und eigene Projekte. Unter dem Motto „Jugend vom Lande“ entwickeln sich Formate, die unkompliziert Austausch ermöglichen – sei es durch gemeinsame Aktionen, Veranstaltungen oder über Social Media.

„Wir fahren auf den Acker“ steht dabei sinnbildlich für ein neues Selbstverständnis: aktiv sein, sichtbar werden, Verantwortung übernehmen.

Landwirtschaft als regionaler Faktor

Oberbürgermeister Alexander Badrow unterstreicht die Bedeutung der Branche für die Region:
„Die Landwirtschaft ist ein tragender Bestandteil unserer regionalen Wertschöpfung. Über 60 Betriebe bewirtschaften städtische Flächen – darunter rund 5.000 Hektar Ackerland. Sie sichern Versorgung, erhalten die Kulturlandschaft und schaffen Arbeitsplätze.“

Ziel sei es, die Leistungen sichtbarer zu machen und jungen Menschen Perspektiven aufzuzeigen.

Zwischen Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit

Die Herausforderungen bleiben komplex: CO₂-Reduktion, gesetzliche Vorgaben und neue Nutzungskonzepte wie Wiedervernässung treffen auf wirtschaftlichen Druck. Betriebe müssen zu Weltmarktpreisen produzieren, tragen jedoch deutlich höhere Kosten.

Zusätzliche Einnahmequellen – etwa durch Energieproduktion – gewinnen an Bedeutung.

Blick nach vorn

Trotz aller Herausforderungen überwiegt der Optimismus. „Ich setze auf unsere Jugend“, sagt Thies-Mackeprang. „Sie wird vieles anders machen müssen – aber genau darin liegen Chancen.“

Oder, wie Stine es formuliert:
„Wir wollen nicht nur reden – wir wollen einfach anfangen.“

Besuch beim Landwirt in Viersdorf
Foto: HANSESTADT Stralsund l Pressestelle
v.l.n.r.: Landwirt Carsten Thies-Mackeprang, Andre Kobsch, Leiter der Abteilung Liegenschaften bei der Hansestadt Stralsund, Landwirtin Cathrin Mackeprang, Oberbürgermeister Alexander Badrow, Michel und Stine Mackeprang

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