Eine rund 100 Jahre alte Rosskastanie an der Greifswalder Chaussee in Stralsund sollte eigentlich noch mehrere Jahre erhalten bleiben. Doch ein Sturm machte alle Pläne zunichte.
Der etwa 17 Meter hohe Baum auf Höhe Sundflor war Anfang Juni bei einer routinemäßigen Baumkontrolle als nicht mehr vollständig verkehrssicher eingestuft worden. Grund war eine große Höhle im Stamm im Bereich der Hauptastvergabelungen. Um den tatsächlichen Zustand zu bewerten, ließ die Hansestadt Stralsund den Altbaum durch eine unabhängige Baumsachverständige genauer untersuchen.
Mithilfe eines sogenannten Resistographen, der die Stabilität des Holzes misst, wurde deutlich, dass sich im Inneren des Stammes erhebliche Fäulnis ausgebreitet hatte. Die verbliebene tragfähige Holzsubstanz reichte nach Einschätzung der Expertin nicht mehr aus, um die mächtige Baumkrone dauerhaft sicher zu tragen.
Gutachten empfahl Erhalt bis 2029
Das Gutachten ging am Freitag, dem 3. Juli, bei der Hansestadt ein. Die Empfehlung lautete, die Krone um rund ein Drittel einzukürzen und zusätzlich eine Kronensicherung einzubauen. Mit diesen Maßnahmen hätte die ökologisch wertvolle Kastanie voraussichtlich noch bis 2029 erhalten werden können.
Doch noch am selben Tag schlug das Wetter um.
Starke Windböen brachen einen großen Ast aus der bereits geschwächten Kastanie. Dieser stürzte auf die Bundesstraße 96. Ein weiterer Starkast riss an und blieb lediglich in der vorhandenen Kronensicherung hängen.
Feuerwehr und Stadt mussten sofort handeln
Gemeinsam mit der Berufsfeuerwehr sicherten Mitarbeiter der Hansestadt die Gefahrenstelle und räumten die Fahrbahn. Anschließend musste das Sachgebiet Forsten kurzfristig reagieren: Bereits am Samstag wurde die Kastanie bis auf den Baumtorso zurückgeschnitten, um weitere Gefahren für Verkehrsteilnehmer auszuschließen.
Warum wurde der Baum nicht früher gefällt?
Immer wieder sorgt der Umgang mit alten Bäumen für Diskussionen. Die Hansestadt betont, dass Baumreihen und Alleen unter besonderem gesetzlichen Schutz stehen. Ziel sei es grundsätzlich, ökologisch wertvolle Altbäume möglichst lange zu erhalten – selbstverständlich nur, solange die Verkehrssicherheit gewährleistet werden kann.
Gerade alte Bäume leisten einen wichtigen Beitrag zum Stadtklima, speichern große Mengen Kohlendioxid und bieten zahlreichen Tierarten wertvollen Lebensraum.
Im Fall der Rosskastanie war bereits ein Konzept für ihren Erhalt ausgearbeitet. Doch letztlich war der Sturm schneller.
Am Ende entschied nicht der Mensch – sondern die Natur.



