Vorpommern-Rügen. Der Arbeitsmarkt im Landkreis Vorpommern-Rügen hat sich im Jahr 2025 trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten als bemerkenswert stabil erwiesen. Im Jahresdurchschnitt waren 10.348 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Rückgang um 59 Personen bzw. 0,6 Prozent gegenüber 2024.
Die Arbeitslosenquote blieb mit 9,2 Prozent unverändert – und das bereits zum dritten Mal in Folge. Schon in den Jahren 2023 und 2024 lag die Quote auf diesem Niveau.
Tourismus sorgt für Stabilität am Arbeitsmarkt
Für Thorsten Nappe, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stralsund, ist diese Entwicklung ein positives Signal:
„Ich bin froh, dass wir in unserem Landkreis keinen Anstieg der Arbeitslosenzahlen verzeichnen mussten. In anderen Regionen Deutschlands, insbesondere in industriell geprägten Gebieten, sind die Auswirkungen von Strukturwandel und globalen Krisen deutlich stärker zu spüren.“
In Vorpommern-Rügen habe hingegen die stark touristisch geprägte Wirtschaftsstruktur für Stabilität gesorgt. Besonders die beiden Tourismusregionen Insel Rügen sowie die Agenturgeschäftsstelle Ribnitz-Damgarten mit der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst trugen zu den leicht rückläufigen Arbeitslosenzahlen bei.
Saisonarbeit mit Perspektive
„Der Tourismus war auch 2025 eine sichere Bank – zumindest aus arbeitsmarktpolitischer Sicht“, so Nappe. Viele saisonal Beschäftigte hätten sich bereits zum Jahresende wieder abgemeldet oder verfügten über feste Einstellungszusagen für das Frühjahr 2026 – häufig sogar vom bisherigen Arbeitgeber.
Nicht selten würden Arbeitnehmer lediglich für zwei bis drei Monate entlassen, obwohl sie für den Saisonstart, etwa zu den Osterferien, bereits fest eingeplant seien. Dieses wiederkehrende Muster aus Entlassung und Wiedereinstellung sei jedoch nicht alternativlos.
Qualifizierung statt Kurzzeit-Arbeitslosigkeit
Eine wichtige Alternative sieht die Arbeitsagentur in der Qualifizierung von Beschäftigten. Unternehmen können ihre Mitarbeitenden in saisonalen Schwächephasen gezielt weiterbilden und dabei auf Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit zurückgreifen. Betriebe können sich dazu direkt an den Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Stralsund wenden.
Auch im Jahr 2026 bleibt die Weiterbildung ein zentraler Schwerpunkt: Rund 8 Millionen Euro stellt die Arbeitsagentur dafür in Vorpommern-Rügen zur Verfügung.
Weiterbildung gewinnt weiter an Bedeutung
Alle Informationen und Ansprechpartner rund um das Thema berufliche Weiterbildung sind online unter
www.weiterbildung-vr.de abrufbar.
„Berufliche Bildung ist für uns eines der wichtigsten Themen“, betont Thorsten Nappe. Angesichts veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und zurückhaltender Personaleinstellungen werde es für Arbeitslose zunehmend schwieriger, wieder Fuß auf dem Arbeitsmarkt zu fassen.
Langzeitarbeitslosigkeit nimmt zu
Ein Blick auf die Langzeitarbeitslosigkeit zeigt, dass weiterhin Handlungsbedarf besteht. Im Jahr 2025 waren 4.266 Menschen in Vorpommern-Rügen ein Jahr oder länger ohne Beschäftigung. Damit machen Langzeitarbeitslose 41,2 Prozent aller gemeldeten Arbeitslosen aus.
„Je länger man arbeitslos ist, desto schwerer wird der Wiedereinstieg“, so Nappe. Gezielte Weiterbildung könne hier ein entscheidender Schlüssel sein – sowohl zur Rückkehr in den Arbeitsmarkt als auch zur präventiven Vermeidung von Arbeitslosigkeit.
Zusammenarbeit als Schlüssel für die Zukunft
Trotz der insgesamt stabilen Entwicklung bleibt eine Arbeitslosenquote von 9,2 Prozent ein vergleichsweise hoher Wert. Nach Ansicht des Agenturchefs ist daher eine enge Zusammenarbeit aller Arbeitsmarktakteure unerlässlich.
„Wirtschaft, Arbeitnehmervertretungen und Verwaltung müssen an einem Strang ziehen. Jobcenter und Arbeitsagentur nehmen dabei eine Schlüsselfunktion ein. Nur durch eine enge Verzahnung können wir die Region Vorpommern-Rügen fit für die zukünftigen Anforderungen machen.“