8. Mai 2026, 11:00 Uhr, Ort: Peenemünde, am Flughafenring
Sehr geehrte Damen und Herren,
am 8. Mai 2026 um 11:00 Uhr eröffnet das Historisch-Technische Museum Peenemünde (HTM) eine neue Stätte zur Erinnerung an die Häftlinge des ehemaligen KZ-Arbeitslagers „Karlshagen I“ am Flughafenring Peenemünde. Wir möchten Sie hiermit herzlich zu der Veranstaltung einladen. Aus Polen und Frankreich reisen Nachkommen von Häftlingen des Lagers an. Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern wird mit einer Delegation vertreten sein.
Zu den Peenemünder Versuchsstellen gehörten zwei KZ-Außenlager, in denen Häftlinge Zwangsarbeit für die Wehrmacht leisten mussten. Das ehemalige Lager „Karlshagen I“ liegt heute gut erreichbar am Rande einer Straße und ist im Rahmen des Rundwegs „Denkmal-Landschaft Peenemünde“ öffentlich zugängig. Mit dem Ausbau der Beschilderung hat das HTM Peenemünde die historische Darstellung des Lagers verbessert und dem Gedenken am authentischen Ort einen würdigen Rahmen geschaffen.
Auf fünf Bild-Text-Tafeln werden neue Forschungserkenntnisse zum Lager, die Namen der dort Inhaftierten und eine exemplarische Häftlingsbiographie präsentiert. Die Inhalte sind das Ergebnis jahrelanger wissenschaftlicher Arbeit des HTM: Ab Mai 1943 wurden rund 2.000 Häftlinge ins KZ Karlshagen I deportiert. Sie mussten innerhalb des Peenemünder Sperrgebiets für die Luftwaffe und kooperierende Firmen schwere Bau- und Hilfsarbeiten leisten. Die überwiegende Mehrheit bestand aus jungen Ausländern, die zuvor als Widerstandskämpfer auffällig geworden waren oder als zivile Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene gegen Regeln verstoßen hatten. Knapp ein Viertel war nicht älter als 21 Jahre und damit nach damaligem Recht minderjährig. Im Lager litten die Häftlinge unter mangelnder Ernährung und Hygiene, Krankheiten, harten und gefährlichen Arbeiten und der Gewalt von Wachpersonal und Mithäftlingen. Bis Kriegsende wurden mindestens 253 Häftlinge getötet; weitere starben in anderen Lagern oder auf sogenannten Todesmärschen.
Die Neugestaltung der Erinnerungsstätte ist in Kooperation mit der Flächeneigentümerin DBU Naturerbe, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), entstanden und aus Mitteln der Kulturellen Projektförderung Mecklenburg-Vorpommern finanziert worden. Sie fügt sich in eine breitere Anstrengung des HTM ein, die Vermittlung der KZ-Haft und Zwangsarbeit am authentischen Ort zu verbessern und das Museum als Akteur der Erinnerungskultur noch weiter zu profilieren. Bereits 2024 hat das HTM eine Erinnerungsstätte für das ehemalige Lager Karlshagen II eingeweiht. Beide Erinnerungsstätten liegen im DBU Naturerbe Peenemünde, einer rund 2.100 Hektar großen Fläche, die den Großteil des Peenemünder Hakens sowie den Struck und die Insel Runden umfasst. Im Norden Usedoms sind Geschichte, Erinnerungskultur und Naturschutz eng miteinander verzahnt, was sich in der Vermittlung Peenemündes als Natur- und Denkmallandschaft zeigt. Um die Opferperspektive in der Schul- und Erwachsenenbildung zu stärken, bietet die Museumspädagogik vertiefende Workshops über die beiden ehemaligen KZ-Außenlager an. In diesem Format sind Ortsbesuche obligatorisch vorgesehen.Einladung11