Schwerin/Mecklenburg-Vorpommern. In Mecklenburg-Vorpommern werden deutlich mehr künstliche Knie- und Hüftgelenke eingesetzt als im internationalen Durchschnitt. Darauf macht die AOK Nordost anlässlich des neuen Beitragssatzstabilisierungsgesetzes aufmerksam, das künftig auch das Zweitmeinungsverfahren für planbare Operationen stärkt.
Nach Daten der OECD wurden im Jahr 2021 in Mecklenburg-Vorpommern 221 Knie-Endoprothesen je 100.000 Einwohner eingesetzt. Der Durchschnitt der 38 OECD-Mitgliedsstaaten lag bei 119 Eingriffen. Damit liegt MV rund 86 Prozent über dem internationalen Durchschnitt.
Auch bei Hüftoperationen zeigen sich deutliche Unterschiede: Hier wurden 265 künstliche Hüftgelenke je 100.000 Einwohner eingesetzt – im OECD-Durchschnitt waren es lediglich 172 Eingriffe. Laut AOK stiegen die Operationszahlen im Land im Jahr 2023 sogar weiter an.
Zweitmeinung soll Patienten stärken
Mit dem vom Bundestag beschlossenen Beitragssatzstabilisierungsgesetz sollen Patientinnen und Patienten künftig verpflichtend über ihr Recht auf eine unabhängige Zweitmeinung informiert werden, bevor bestimmte planbare Operationen durchgeführt werden.
„Eine Operation an Hüfte oder Knie verändert das Leben. Deshalb sollte sie nur dann erfolgen, wenn sie medizinisch wirklich die beste Option ist“, erklärt Daniela Teichert, Vorstandsvorsitzende der AOK Nordost.
Nicht in jedem Fall sei eine Operation zwingend notwendig. Je nach Beschwerden könnten auch konservative Behandlungsmethoden, Physiotherapie oder ein späterer Operationszeitpunkt sinnvoll sein.
Bisher kaum genutzt
Nach Angaben der AOK wurde das bisherige Zweitmeinungsverfahren nur selten in Anspruch genommen. Eine Auswertung von rund 5.300 Operationen ergab, dass lediglich 2,3 Prozent der Patientinnen und Patienten überhaupt über ihren Anspruch informiert wurden. Tatsächlich genutzt wurde die Zweitmeinung sogar nur in 0,2 Prozent der Fälle.
Die AOK fordert deshalb eine bessere Information und Unterstützung der Versicherten.
Kliniken vergleichen
Wer sich für einen Eingriff entscheidet, kann über die AOK-Krankenhaussuche Kliniken vergleichen. Dort finden sich Informationen zur Anzahl der durchgeführten Operationen, zur Behandlungsqualität sowie zu Bewertungen anderer Patientinnen und Patienten.
Die Krankenkasse betont: Eine unabhängige Zweitmeinung könne helfen, unnötige Operationen zu vermeiden und gleichzeitig mehr Sicherheit bei wichtigen medizinischen Entscheidungen zu schaffen.


