Stralsund. Wie haben politische Umbrüche, gesellschaftlicher Wandel und Veränderungen des kirchlichen Lebens die Stralsunder Nikolaikirche geprägt? Dieser Frage widmet sich am 11. und 12. September 2026 ein zweitägiges Symposium in Stralsund. Anlass ist die erste urkundliche Erwähnung der Kirche vor 750 Jahren.
Unter dem Titel „Kirche in Bewegung – Die Stralsunder Nikolaikirche im 20. Jahrhundert“ laden der Förderverein St. Nikolai e.V. und die Arbeitsgemeinschaft für pommersche Kirchengeschichte e.V. zu Vorträgen, Rundgängen und Musik ein.
750 Jahre Geschichte am Alten Markt
Die Nikolaikirche zählt zu den bedeutenden Sakralbauten der Backsteingotik in Nordeuropa. Ihre erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1276. Damals hielt der Stralsunder Stadtschreiber fest, dass Bürger acht Last Weizen für den Bau der „seligen Nikolai“ gestiftet hatten.
Vermutlich befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine Vorgängerkirche am Alten Markt, wahrscheinlich aus Holz. Beim späteren Neubau orientierten sich die Stralsunder Kaufleute an bedeutenden Kirchenbauten ihrer Zeit – von den Kathedralen Frankreichs bis zu den Sakralbauten Lübecks.
Das Jubiläum nimmt das Symposium zum Anlass, insbesondere das 20. Jahrhundert in den Mittelpunkt zu rücken. Untersucht werden soll, wie gesellschaftliche und politische Veränderungen auf Kirche und Gemeinde wirkten und welche Perspektiven sich daraus für die Zukunft ergeben.
Auftakt am Freitag in St. Nikolai
Eröffnet wird das Symposium am Freitag, 11. September, um 19 Uhr in der Nikolaikirche. Nach den Grußworten hält Prof. Dr. Gert Pickel, Religions- und Kirchensoziologe an der Universität Leipzig, den Festvortrag „Zukunft der Kirche – kleiner, alt und gläubiger?“.
Anschließend ist ein öffentlicher Empfang vorgesehen. Der Freitagabend ist kostenfrei und kann ohne Anmeldung besucht werden.
Kirchengeschichte zwischen Demokratie und Diktatur
Am Samstag beginnt das Tagungsprogramm um 9 Uhr im Stralsunder Rathaus. In vier Vorträgen werden unterschiedliche Kapitel der Stralsunder Kirchengeschichte beleuchtet.
Thematisiert werden unter anderem das Wirken des Nikolaipastors Johannes Hornburg, das kirchliche Leben zwischen 1918 und 1945, die Rolle der Kirche in der sozialistischen Stadt sowie die Stralsunder Kirchentage der Jahre 1978 und 1981.
Am Nachmittag führen Spaziergänge zu Spuren kirchlichen Lebens in Stralsund. Ein weiterer Vortrag beschäftigt sich mit der baulichen Entwicklung und Ausstattung der Nikolaikirche im 20. Jahrhundert.
Den Abschluss bilden eine Orgelführung um 18 Uhr und ab 19 Uhr das Orgelkonzert „Musik von der Gotik bis heute“ mit KMD Matthias Pech.
Für das Samstagsprogramm war eine Anmeldung bis zum 31. August vorgesehen. Die Teilnahmegebühr beträgt laut Veranstalter 25 Euro für den gesamten Tag beziehungsweise 15 Euro bei einer Teilnahme ab 14 Uhr.
Weitere Informationen stellt der Förderverein St. Nikolai Stralsund bereit.
Quelle: Förderverein St. Nikolai e.V.